12. – 25.07.2025
Kaum haben wir die Grenze von China nach Laos überquert, trifft uns der Schock: Von den perfekt asphaltierten Autobahnen der letzten tausend Kilometer ist nichts mehr übrig – der Straßenbelag hört einfach auf! Nach dem Regen gleicht die Piste einem Schlammfeld, durchsetzt mit riesigen Schlaglöchern, deren Tiefe man nur ahnen kann.
Im Schneckentempo tuckern wir hinter LKWs und Autos her, beobachten, wie tief der Lastwagen vor uns einsinkt – und hoffen, dass unser Lucas auch die nächste Pfütze übersteht.
Männer auf Motorrädern, von oben bis unten mit Schlamm bedeckt, fahren an uns vorbei. Grundsätzlich sind sie alle in kurzen Hosen, barfuß oder in Flip-Flops unterwegs, lange Hosen und Schuhe wären in dem Schlamm nutzlos. Immer wieder müssen sie absteigen und die mit Körben beladenen Motorräder durch die knietiefen Pfützen schieben.
Auch die Landschaft und vor allem die Ortschaften, durch die wir fahren, haben sich verändert. Wir sind plötzlich mitten im Regenwald – alles sprießt und leuchtet in Grün. Die Natur, die wir in China etwas vermisst haben. Doch die Dörfer sind ärmlich, die Häuser einfache Holz- selten Steinbauten, oftmals auf Stelzen gebaut. Die Hauswände sind im unteren Drittel braun vom aufspritzenden Straßenschlamm. Es ist warm und feucht. Kinder tollen nackt in den Pfützen, während die Erwachsenen träge in den Hauseingängen sitzen. Hoch aufragende, bewachsene Berge, Reisfelder und Nebelwolken prägen die Landschaft.
Gemeinsam mit der australischen Familie und den beiden Italienern im Unimog, die schon zu unserer China-Gruppe gehörten, fahren wir nach Nong Kiaw, so bleibt unsere Reisegruppe noch etwas länger zusammen.
Die Australier und die Italiener haben in Nong Kiaw ein Hotel mit Klimaanlage gebucht. Wir dachten, wir brauchen das nicht…













Unsere Mitreisenden wünschen uns viel Glück auf den furchtbaren Straßen in Laos und fragen sich, ob wir mit unserem, eher weniger geländegängigen Lucas heile durchkommen werden.
Doch dann ist es ausgerechnet der Unimog, der direkt hinter der chinesischen Grenze in Schwierigkeiten gerät! Er kommt beim Schlagloch-Ausweichen seitlich von der Straße ab und sitzt tief im Graben. Als Andrea aussteigt, um das Schlamassel zu begutachten, steht er hüfthoch im Wasser! Ein vorbeifahrender LKW zieht ihn kurzerhand heraus – auf Andreas „Bitte vorsichtig!“ geht er dabei nicht ein, glücklicherweise kommt der Unimog unbeschadet davon!
Holpernd, aber ohne Probleme, schaffen wir es durch die Pfützen. Am Abend kontrolliert Philip das Auto, checkt Füllstände und begutachtet einmal alles. Das hätte er lieber gelassen – denn genau das bringt schließlich uns in Schwierigkeiten!
Holpernd, aber ohne Probleme, schaffen wir es durch die Pfützen. Am Abend kontrolliert Philip das Auto, checkt Füllstände und begutachtet einmal alles. Das hätte er lieber gelassen – denn genau das bringt schließlich uns in Schwierigkeiten!
Am nächsten Tag führt der Weg durch die Berge von Laos. Die Straße führt immer wieder steil bergauf. Ich beobachte, wie die Motortemperaturanzeige immer wieder vor den roten Bereich klettert. Irgendetwas stimmt da nicht! „Das ist normal“ behauptet Philip. „Es ist halt warm hier und der Motor muss arbeiten!“ Ich weiß ja nicht… Ich drehe die Heizung auf – die Anzeige sinkt etwas, dafür bekommen wir im Auto schnell die Krise…
Die Anzeige klettert inzwischen trotz laufender Heizung in den roten Bereich. Das ist nicht normal. So langsam macht sich auch Philip Sorgen. Bald wollen wir an einem Restaurant Pause machen, bis dahin schaffen wir es schon noch.
Wir schaffen es exakt bis vor das Restaurant. Als Philip abbremst, um vor dem Restaurant einzuparken, geht der Motor aus und nicht wieder an. Wir stehen jetzt also schräg über beide Fahrspuren und das kurz vor einer Kurve am Berg.
Schnell lasse ich die Kinder aussteigen und ins Restaurant rennen, um sie vor einem möglichen Zusammenprall mit dem nächsten LKW, der um die Kurve kommt, in Sicherheit zu bringen.
Die Restaurant Eigentümer kommen heraus und helfen uns dabei, Lucas von der Straße zu schieben. Dampfwolken quillen aus der Motorhaube hervor.




Ein Blick unter die Haube erklärt sofort das Problem: Beim gestrigen Check der Füllstände hat Philip vergessen, den Deckel des Kühlwassers zu schließen! Das Kühlerwasser ist komplett herausgeschwappt!
Wir kühlen den Motor vorsichtig mit Wasser – nicht zu schnell, damit er keine Risse bekommt und gehen dann, total fertig, erst mal was Essen. Entweder haben wir Pech, und der Motor hat wieder einen Totalschaden abbekommen (hatten wir das nicht gerade erst?!) oder wir haben Glück, und wenn alles abgekühlt ist, kanns weiter gehen. Erst mal können wir also nur abwarten und Teetrinken. Unsere Italiener sehen Lucas mit offener Motorhaube am Straßenrand stehen und kommen zur Hilfe. Nach einem gemeinsamen leckeren Essen reinigt Andrea unsere Luftfilter, Öl und Kühlerwasser werden aufgefüllt und dann brummt Lucas, als wäre nie was gewesen! Was für ein Auto! Ich könnte ihn in diesem Moment einfach knutschen!
In strömendem Regen erreichen wir Nong Kiaw, finden einen Platz für die Nacht – und merken sofort, dass es viel zu warm ist. Wie war das noch mit dem Hotel mit Klimaanlage?
Nach all den Wochen ohne Wanderungen in China verabreden wir uns mit den Australiern zu einer kleinen Tour auf einen Aussichtspunkt. Das Wetter soll vormittags trocken sein.
Dass das keine gute Idee war, merke ich schon nach wenigen Metern. Während die Löwin ununterbrochen jammert, dass sie keine Lust auf Wandern hat, läuft uns allen bereits der Schweiß in Strömen am Körper hinab. Dazu kommen kleine beißende Mücken, alles juckt! Noch nie in meinem Leben habe ich mich so eklig gefühlt! Wirklich alles ist Schweiß nass!
Die Löwin und ihr australischer Freund geben bald auf, sie gehen zurück und wollen im Hotelzimmer unter der Klimaanlage basteln – gute Entscheidung!







Wir anderen wollen es nun aber doch bis zur Aussicht schaffen! Jeder Schritt durch den Matsch ist eine Qual (natürlich sieht der Wanderweg nicht besser aus als die Autostraßen), doch wenn ich jetzt umdrehe, war ja die Mühe bis hierher umsonst!
Weiter heißt es also, immer weiter. Es fühlt sich an, als würde ich stundenlang laufen. Ein Schritt – drei Tropfen Schweiß. Noch ein Schritt. Meine Kamera ist inzwischen so nass, dass ich mir Sorgen mache, dass sie einen Wasser- oder besser Schweißschaden bekommt. Und das ganz ohne Regen, der Wetterbericht hat recht behalten, doch jetzt könnte ich eine ordentliche Dusche von oben sehr gut gebrauchen.
Endlich oben angekommen, weiß ich nicht wie ich es überhaupt geschafft habe. Ich habe gefühlt hunderte Liter Schweiß verloren, mein Shirt hat keine Schweißflecken, es ist ein einziger Schweißfleck – Igitt!
Der Abstieg geht dann zwar deutlich leichter, doch unten angekommen gehe ich auf direktem Weg in unsere Dusche. Mit Klamotten – Ausziehen lohnt sich nicht.
Kaum bin ich aus der Dusche, bin ich schon wieder klatschnass geschwitzt. Im Auto ist es noch schlimmer als draußen.
Ich gehe raus, aber da ist überall Sonne, noch schlimmer, wieder rein, flach hinlegen, möglichst tief, am besten auf den Boden. Die Hitze steigt nach oben. Hilft nichts. Ich trinke etwas, das Wasser ist auch warm. Egal was ich mache, ich kann der Hitze nicht entfliehen und plötzlich geht Garnichts mehr. Mir bleibt die Luft weg, ich weiß nicht mehr, wie ich diese Hitze ertragen soll. Philip hat vor kurzem Wasserflaschen in unser Eisfach gelegt, er drückt sie auf meine Stirn, feuchte Lappen helfen auch und ich komme langsam wieder klar. Wann habe ich eigentlich zuletzt etwas gegessen?
Oh Mann – Laos bringt mich an meine Grenzen.




Die Kinder basteln bei den Australiern, während wir erst mal etwas essen gehen. Langsam geht es mir wieder besser. Alles gar nicht so schlimm.
Nach einem gemeinsamen Frühstück beschließen wir am nächsten Tag zusammen mit den Australiern und Italienern ein Boot zu mieten, dass uns zum abgelegenen Dorf Muang Ngoy bringt.
Die Bootsfahrt ist angenehm – der Fahrtwind tut gut, wenn es zu warm wir, einfach eine Handvoll Wasser aus dem Fluss über den Kopf laufen lassen.
Im Dorf angekommen, wollen wir den Ort anschauen, wir schlendern durch die kleinen Straßen, vorbei an einem Touri-Lokal nach dem anderen. Und da geht es wieder los. Es ist zu heiß, ich kann nicht mehr. Die Kids sind quengelig und streiten, wir haben Hunger, das Restaurant, dass die anderen gewählt haben, gefällt Philip nicht, das Restaurant, dass er ausgesucht hat, existiert nicht… Erschöpft setze ich mich – mal wieder ohne etwas zu essen – an den Bootssteg und warte, bis wir endlich zurückfahren. Und als wir dann zurück sind? Wartet da ein überhitztes Auto auf uns.
Wir brechen wieder auf, um in die Berge von Laos zu fahren, wo es etwas kühler ist.
Weit kommen wir nicht: Kurz nach Nong Kiaw wird uns ein Schlagloch zum Verhängnis!
Philip rumpelt hindurch – ein Schlag, und ich höre ein lautes Zischen!
„Halt an, Philip!“ – „Ach, das kommt bloß von der Werkstatt da draußen“
Nein, das ist unser Auto! Wir halten also an. Alle vier Reifen sind in Ordnung, doch Philip erkennt schnell: Das Zischen kommt vom Reserverad.
Philip will trotz kaputtem Reserverad weiterfahren, doch ich bestehe darauf, eine Werkstatt aufzusuchen. Auf diesen Straßen möchte ich nicht ohne Reserverad unterwegs sein – wenn wir es irgendwo brauchen, dann genau hier!
Wir finden eine kleine Werkstatt und stellen fest, dass das Ventil des Rades abgerissen ist. Die Jungs der Werkstatt bringen schnell ein neues an.
Bis in die Berge schaffen wir es nicht mehr, es ist zu spät, wir sind zu erschöpft.




Wir finden einen Parkplatz neben einer Tankstelle. Gute Plätze sind rar – wie die Straßen sind auch die meisten Parkplätze nur Schlammlöcher oder Wiesen, aus denen wir mit Lucas wahrscheinlich nicht mehr herauskämen.
Der Platz neben der Tankstelle ist zwar befahrbar, liegt aber direkt neben der örtlichen Disco.
Wir sind völlig erledigt, verschwitzt, streiten, keiner findet Schlaf – wir wollen einfach nur noch nach Hause.
Glücklicherweise schließt irgendwann sogar die Disco, wir bekommen ein paar Stunden Schlaf und brechen dann nach Luang Prabang auf – dort gibt es einen Flughafen, vielleicht auch Hotels.
Bis wir ankommen, habe ich ein Hotel ausgesucht. Beim Ansehen gehe ich sofort wieder rückwärts raus: Zimmer schimmlig, Bettwäsche schmutzig, Klimaanlage defekt.
Im nächsten Hotel haben wir mehr Glück: Es gibt einen Pool, die Zimmer riechen normal, die Bettwäsche ist frisch, die Badezimmer sind groß, der Preis absolut in Ordnung.
Wir parken Lucas, drehen die Klimaanlage voll auf, die Kinder verschwinden im Pool, und ich unter der Dusche. Oh mein Gott – noch nie war eine Dusche so schön! Ich stehe ewig unter dem kühlen Wasser, und zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Laos geht es mir richtig gut.
Wir schlafen lange aus und genießen ein gemütliches Hotelfrühstück. Die Kinder spielen wieder im Pool, während wir noch einmal schlafen. Erst jetzt merken wir, wie erschöpft wir sind. Vier Tage lang wiederholt sich der Rhythmus: Schlafen, Pool, Ruhe – wir genießen die Auszeit und tanken Energie.






auch hier ist es feucht und heiß, und die Strecke durch Laos ist uns nun zu weit. Das Einführen unseres Womos nach Thailand ist zu teuer und kompliziert; nach Vietnam nahezu unmöglich. Es wird klar: Für Lucas ist hier das Ende erreicht. Bedeutet das auch das Ende unserer Reise?
Was tun wir mit Lucas? Er darf maximal drei Monate in Laos bleiben, und der Verkauf gebrauchter Autos aus dem Ausland ist verboten.
Über die Australier nehmen wir Kontakt zu einem amerikanisch-iranischen Paar auf, das mit seinen zwei Huskys in Laos gestrandet ist. Ihr Overlander Auto ist hier kaputt gegangen und sie haben aktuell keine finanziellen Mittel, um das Land zu verlassen.
Nach viel Hin und Her beschließen wir, den beiden unseren Lucas zu schenken. Wir haben das Gefühl, keine andere Wahl zu haben. Durch China zurückzufahren kommt für Philip nicht in Frage – zu viel Fahrerei, zu teuer – und wir wollen nach Neuseeland!
Wir beginnen Lucas auszuräumen und uns mit dem Gedanken anzufreunden, dass wir Laos ohne ihn verlassen werden.
Inzwischen sind die Australier ebenfalls in Luang Prabang angekommen. Ausgeruht und voller Energie erkunden wir mit ihnen Laos: Wir unternehmen eine Bootstour auf dem Mekong, besuchen die bunten Märkte, machen einen Kochkurs, reparieren die Hotelfahrräder für kleine Ausflüge in den Ort und feiern sogar Marcs Geburtstag mit selbst gebackenem Kuchen. Die Kinder verbringen viel Zeit im Pool, und täglich gibt es eine kleine Kochchallenge: Essen zaubern, aus den Vorräten im Womo. Instantnudeln mit Pesto, Couscous und Dosenmais sind erstaunlich lecker, wenn man sie auf dem Hotelbett direkt aus dem Topf löffelt.


















Dann ist es Zeit für Abschied – von Laos und von Lucas.
Wir schicken ein Paket nach Deutschland, kaufen zwei neue Koffer, verschenken Kleidung und Spielzeug an Hotelmitarbeiter und verteilen Malsachen an die Kinder im Ort.
Wir besichtigen einen letzten Tempel, sind früh morgens beim Tak Bat, dem Almosengang der Mönche, und dann kommt Lucy um Womo Lucas abzuholen. Dann kommt Lucy, um Lucas abzuholen. Der Schenkungsvertrag wird unterschrieben, alles im Auto noch einmal angeschaut und erklärt – danach geht es zum Flughafen. Zwei neue Koffer, vier Rucksäcke und ein Handgepäck Trolley – das ist alles, was uns bleibt. Lucas fährt davon, und uns kommen die Tränen. Dieses Kapitel der Reise ist vorbei.
Tschüss Lucas, treuer Wegbegleiter. Warst immer gut für eine Überraschung, hast uns die Werkstätten der Welt gezeigt und uns durch so manches Abenteuer begleitet. Wir wünschen Dir alles Gute und dass Du deinen neuen Besitzern hilfst, wieder nach Hause zu kommen!
Laos hat uns an unsere Grenzen geführt – und uns gezeigt, wie viel wir aushalten können. Was für ein Land. Was für ein Abenteuer – und was für eine Lektion über Geduld und Gelassenheit.
Von Luang Prabang fliegen wir weiter nach Hanoi, Vietnam, um dort meinen Papa für eine klassische Touristenreise zu treffen. Wie wird das wohl nach all der Zeit Vanlife?
Tschüss Lucas, treuer Wegbegleiter. Warst immer gut für eine Überraschung, hast uns die Werkstätten der Welt gezeigt und uns durch so manches Abenteuer begleitet. Wir wünschen Dir alles Gute und dass Du deinen neuen Besitzern hilfst, wieder nach Hause zu kommen!
Laos hat uns an unsere Grenzen geführt – und uns gezeigt, wie viel wir aushalten können. Was für ein Land. Was für ein Abenteuer – und was für eine Lektion über Geduld und Gelassenheit.
Von Luang Prabang fliegen wir weiter nach Hanoi, Vietnam, um dort meinen Papa für eine klassische Touristenreise zu treffen. Wie wird das wohl nach all der Zeit Vanlife?